Lesebeitrag / 30.06.2022

Arbeitskräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die Wirtschaft im Südwesten  

Wolf und Dick: „Neben einem besserem Ausschöpfen des inländischen Potenzials brauchen wir auch mehr Arbeitskräftezuwanderung“

Stuttgart – Die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg ist im Juni aufgrund des Übergangs ukrainischer Geflüchteter in die Grundsicherung wie erwartet gestiegen. Rechnet man diesen Sondereffekt aus der Arbeitsmarkt-Statistik heraus, sind die Arbeitslosenzahlen im Juni leicht gesunken. „Inzwischen sehen sich die Unternehmen vielfach schon wieder mit einem Mangel an Arbeitskräften konfrontiert, der sich auch im Südwesten zunehmend zu einem Problem entwickelt. Auch deswegen können eine Reihe von Aufträgen nur mit Verspätung abgearbeitet oder gar nicht erst angenommen werden“, sagten Peer-Michael Dick und Wolfgang Wolf, die beiden Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), am Donnerstag in Stuttgart. So ist der Arbeitskräfteknappheitsindex des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Juni erneut auf ein Rekordniveau gestiegen. „Neben der Hebung inländischer Potenziale – beispielsweise durch eine Steigerung der Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben oder eine verstärkte berufliche Weiterqualifizierung – brauchen wir auch mehr Arbeitskräftezuwanderung“, erklärten die beiden.

Die Bundesregierung müsse die für die qualifizierte Zuwanderung relevanten Verwaltungsverfahren dringend vereinfachen, digitalisieren und insgesamt beschleunigen, forderte Dick: „Das betrifft insbesondere auch die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Die komplexen Anerkennungsverfahren in Deutschland sind für ausländische Fachkräfte oft nur schwer zu bewältigen.“ Bei den Auslandsvertretungen brauche es zudem eine massive personelle Verstärkung, sagte Wolf: „Die deutschen Botschaften dürfen nicht länger der Flaschenhals bei der qualifizierten Zuwanderung sein.“ Denkbar wäre auch, die fehlenden Kapazitäten in der Visabearbeitung durch eine weitere Stärkung des Bundesamts für Auswärtige Angelegenheiten aufzufangen, so Wolf.