Transformation mit Know-how und Kapital bewältigen

Ansprechpartner Medien
Michael Schwarz
Geschäftsführer Kommunikation
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Die Transformation der Wirtschaft in Baden-Württemberg ist erfolgreich, wenn die Fachkräftebasis und die Finanzierung von Zukunftsinvestitionen gesichert sind.
Inländisches Arbeitskräftepotenzial nutzen
Die Landespolitik muss ein stimmiges Gesamtkonzept entwickeln, um die Arbeits- und Fachkräftebasis im demografischen Wandel zu sichern. Die viel zu hohe Zahl junger Erwachsener ohne abgeschlossene Berufsausbildung muss nachhaltig gesenkt werden, um das inländische Arbeitskräftepotenzial auszubauen. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Menschen in Teilzeit durch mehr Vollzeit- bzw. vollzeitnahe Beschäftigung bietet große Chancen. Der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuung im Ganztag ist hierbei der wichtigste Hebel. Auch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung bietet zusätzliche Potenziale, die aber nicht durch verschärfte Sanktionierung, sondern nur durch richtige Anreize gehoben werden können.
Arbeitslosigkeit verhindern, Beschäftigung fördern
Auch der Arbeitsmarkt ist in der Transformation und es gilt, Arbeitslosigkeit bestmöglich zu verhindern und Beschäftigungsfähigkeit zu fördern. Es braucht funktionierende Konzepte des Job-to-Job-Transfers – auch branchenübergreifend – und der sogenannten Arbeitsmarktdrehscheiben. Das erfordert eine leistungsfähige Agentur für Arbeit, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren kann und nicht mit immer neuen und versicherungsfremden Aufgaben belastet wird. Hierfür sollte das Land auf der Bundesebene Sorge tragen.
Arbeitsmarktorientierte Zuwanderung gezielt ausgestalten
Die Landespolitik muss dringend darauf hinwirken, dass die auf Bundesebene geplante „Work-and-stay-Agentur“ als einheitliche Ansprechpartnerin für ausländische Fachkräfte sinnvoll mit bestehenden Strukturen in Baden-Württemberg verzahnt wird, wie etwa der Landesagentur für die Zuwanderung von Fachkräften (LZF). Unter Berücksichtigung der zukünftigen Aufgaben der „Work-andstay- Agentur“ sollte die Landesregierung prüfen, ob der Aufgabenund Kompetenzbereich der LZF im Sinne der Erwerbsmigration erweitert werden kann. Die Prozesse zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen müssen vereinfacht werden. Erforderlich sind verbesserte Informations- und Beratungsangebote und zentrale Anerkennungsstellen. Kompetenzen müssen gebündelt werden und es braucht klare Zuständigkeiten. Den Weg über ein Hochschulstudium in eine Beschäftigung gilt es strategischer zu nutzen als bisher. Die Studiengebühren für ausländische Studierende stellen einen Standortnachteil dar und gehören abgeschafft. Das Minimum ist ein Optionsmodell wie in Bayern oder eine Befreiung von Studiengebühren in Mangelbereichen (bspw. MINT).
Qualifizierung für eine erfolgreiche Transformation sichern
Digitalisierung und Transformation erfordern neue Kompetenzen und Qualifikationen, neue Bildungsinhalte und Lehrmethoden. Digitale Kompetenzen sind entlang der gesamten Bildungsbiografie zu vermitteln – durch passende Inhalte und mit neuen didaktischen Mitteln. Erforderlich ist, eine Bildungsroadmap über die gesamte Bildungskette zu entwickeln mit einer agilen Ausrichtung der Bildungs- und Qualifizierungssysteme auf die Anforderungen der Digitalisierung und des Strukturwandels. Gerade in Zeiten des Wandels muss die Landesregierung bestehende Qualifizierungsprogramme nicht nur erhalten, sondern gezielt weiterentwickeln, Innovationsprojekte auf den Weg bringen und neue Impulse setzen. Eine zentrale Rolle kommt dabei den Hochschulen als Qualifizierungspartner in der Weiterbildung zu. Im Zusammenspiel zwischen dem Netzwerk Südwissen, den über den ESF geförderten Weiterbildungsbotschaftern an den Hochschulen und der Servicestelle HOCHSCHULEWIRTSCHAFT können innovative Angebote entwickelt werden, die u. a. auch den Transfer von Forschungsergebnissen
Unternehmensfinanzierung und Förderung für Existenzgründer sicherstellen
Transformation kostet Geld. Viele Unternehmen haben eine zu geringe EBIT-Marge aus dem laufenden Geschäft, um wichtige Zukunftsinvestitionen im notwendigen Umfang stemmen zu können. Es braucht daher zielgenaue Unterstützungsprogramme bei der Finanzierung der Transformation. Es muss sichergestellt sein, dass die Unternehmen Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und Bankkrediten erhalten, um in neue Geschäftsmodelle und Produkte investieren zu können. Existenzgründer brauchen zudem stabile Rahmenbedingungen in den entsprechenden Förder- und Beratungsangeboten. Unter der Moderation des Landes sollte mit allen Akteuren aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein Pakt zur Unternehmensfinanzierung angestrebt werden.

Kapitalzugang für innovative Start-ups verbessern
Insbesondere innovative Industrie-Start-ups mit anspruchsvoller Technologie und hohen Entwicklungsanforderungen brauchen langfristiges Wachstumskapital. Erforderlich ist daher ein deutlicher Ausbau des landeseigenen Start-up-Fonds für Risikokapital. Die Einbindung privater Kapitalgeber stärkt die Wirkkraft des Wagniskapitals, ersetzt aber keinesfalls ein klares haushaltspolitisches Bekenntnis des Landes zur Start-up-Förderung. Darüber hinaus sollten auch die Rahmenbedingungen verbessert werden, um innovative Investitionen mittelständischer Unternehmen zu fördern und zu stärken, z. B. durch gezielte (Eigenkapital-) Programme.
Fachbereich
Matthias Toepfer
Referatsleiter Hochschulpolitik und Politischer Dialog
toepfer@unternehmer-bw.de