Küpper: „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich einen überdurchschnittlichen Anteil von Beschäftigten ohne Berufsausbildung hat“
Die Arbeitslosenzahlen in Baden-Württemberg sind im Juni zum Vormonat leicht gesunken, liegen aber weiterhin über dem Vorjahresniveau. „Fehlende Wachstumsperspektiven und strukturelle Standortnachteile setzen dem Arbeitsmarkt weiter zu“, sagte Stefan Küpper, UBW-Geschäftsführer für Bildung, Arbeitsmarkt und Landespolitik, am Dienstag in Stuttgart.
Gleichzeitig bleiben der Arbeits- und Fachkräftemangel und der zu hohe Anteil Ungelernter zentrale Herausforderungen. „Angesichts eines zunehmend schrumpfenden Arbeitskräftepotenzials wird sich das Problem perspektivisch noch deutlich verschärfen“, erklärte Küpper, der auch Mitglied der UBW-Hauptgeschäftsführung ist. Bis 2040 gehen dem Arbeitsmarkt laut Statistischem Bundesamt altersbedingt rund 30 Prozent der heutigen Erwerbspersonen verloren. Jüngere Altersgruppen werden dies zahlenmäßig nicht ausgleichen können.
Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, müsse dringend auch bei der Qualifikationsstruktur angesetzt werden. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich einen überdurchschnittlichen Anteil von Beschäftigten ohne Berufsausbildung hat“, betonte Küpper. Für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts seien gut ausgebildete Fachkräfte unverzichtbar. „Die neue Landesregierung steht deshalb in der Verantwortung, eine Berufsbildungsoffensive zu starten und die beruflichen Schulen konsequent zu stärken“, erklärte der Arbeitsmarkt- und Bildungsexperte. Moderne Ausbildung brauche moderne Rahmenbedingungen – von einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur über IT-Fachpersonal bis zu klaren Finanzierungsstrukturen, damit notwendige Investitionen möglich würden.
Küpper verwies auf die zentrale Rolle der beruflichen Schulen für Wirtschaft und Gesellschaft: „Rund zwei Drittel aller jungen Leute durchlaufen in ihrer Schullaufbahn einen Bildungsgang im beruflichen Schulwesen.“ Berufliche Schulen leisteten hier auch einen unverzichtbaren Beitrag zur Integration von Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten in den Arbeitsmarkt.


