Lesebeitrag / 28.10.2021

Strukturwandel wird Entwicklung des Arbeitsmarkts maßgeblich bestimmen

Dick und Wolf: „Kommende Bundesregierung muss die Weiterbildungsförderung dringend einfacher und flexibler machen“

Stuttgart – Die Arbeitslosenzahlen sind in Baden-Württemberg im Oktober weiter gesunken. „Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste massive wirtschaftliche Abschwung liegt nun zu einem guten Teil hinter uns, auch wenn uns gegenwärtig noch gestörte Lieferketten belasten“, sagten Peer-Michael Dick und Wolfgang Wolf, die beiden Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), am Donnerstag in Stuttgart. „Nun rückt der durch die Digitalisierung und die Weichenstellungen gegen den Klimawandel ausgelöste Strukturwandel wieder verstärkt in den Vordergrund. Auch die Arbeitswelt wird sich dadurch deutlich verändern. Eine neue Bundesregierung muss deshalb die Weiterbildungsförderung dringend einfacher und flexibler machen“, forderten die beiden. So sollte beispielsweise der für eine Förderung einer betrieblichen Weiterbildungsmaßnahme notwendige Mindestumfang von 120 Stunden deutlich reduziert werden.

Grundsätzlich neue Förderinstrumente für die Weiterbildung würden derzeit aber nicht benötigt, genauso wenig wie eine generell größere finanzielle Beteiligung der Arbeitslosenversicherung, sagte Dick: „Es ist auch kein Umbau der Bundesagentur für Arbeit zu einer ‚Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung‘ erforderlich. Schließlich sind Beratung und Qualifizierung auch heute schon im Zusammenhang mit der Vermittlung von Arbeitsuchenden eine wichtige gesetzliche Aufgabe der BA.“

Die Unternehmen in Deutschland investierten jährlich rund 41 Milliarden Euro in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rechnete Wolf vor: „Es ist aber auch Aufgabe der Beschäftigten, die betrieblichen Qualifizierungsangebote anzunehmen.“ Denn die dringend notwendige Weiterbildung im Strukturwandel könne nur gelingen, wenn die Beschäftigten bereit seien, Zeit und Engagement für die eigene Qualifizierung aufzubringen – und sich bei Bedarf auch beruflich zu verändern. „Wandel sollte hier nicht als Bedrohung, sondern als Chance wahrgenommen werden. Lebenslanges Lernen muss ein selbstverständlicher Teil des Berufslebens werden“, erklärte er.

„Unsere Wirtschaft hat in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen, dass sie einen grundlegenden Strukturwandel erfolgreich meistern kann. Im Ergebnis haben wir dann jedes Mal einen Abbau von Arbeitsplätzen in bestimmten Berufen oder Sektoren erlebt, aber gleichzeitig auch einen Arbeitsplatzaufbau in anderen Bereichen“, sagte Dick. Unter dem Strich sei das Resultat aber stets positiv gewesen, bemerkte Wolf: „Seit den 1970er Jahren sind mehr Arbeitsplätze für qualifizierte Beschäftigte entstanden als abgebaut wurden.“ Allerdings sei solch eine Entwicklung kein Selbstläufer. Alle Akteure auf dem Arbeitsmarkt müssten ihrer Verantwortung gerecht werden, unterstrich er.